Klagefall
Samstag, 17. Dezember 2016
Santa Cruz

Beim Besuch der kleinen Hauptstadt der kleinen Insel landeten wir mit großem Hunger im Bauch in einem winzigen Restaurant am Berg. Zur einen Straßenseite lag es in der zweiten Etage und zur anderen hin in der ersten. Die Kellnerin wartete, bis alle drei Tische besetzt waren, bat um Aufmerksamkeit und trug dann in einem Sprachgemisch (no menu!) und mit Hilfe ihrer Hände und Füße die Speisekarte des Tages vor (nur einmal!). In der Küche stand ihr italienischer Mann und winkte uns durch eine Glasscheibe zu. Dann setzte sich die Kellnerin an die Tische und ging mit den Gästen die Bestellungen durch. Ich solle doch den Thunfisch nehmen, roh, nur ein bisschen in Zitrone gezogen und dazu Gemüse. Es gab Wein, es gab Suppe, es gab Fisch und Pasta und alles war ganz wunderbar. Durch das offene Fenster waren die Menschen zu hören, die draußen vorbeigingen. Am Tisch neben uns saß ein alter Mann. Die Kellnerin streichelte seinen Arm. Die Leute am dritten Tisch kamen vom großen Kreuzfahrtschiff, das im Hafen lag, fotografierten ihr Essen und versuchten, einen Massagetermin auf dem Zwischendeck zu verlegen, weil es doch länger dauern würde, als gedacht. Als wir endlich aufstanden und uns verabschiedeten, umarmte die Frau mit dem Herz aus Gold E. und gab ihr einen Kuss.

Wenn wir noch einmal dort hinkommen, gibt es den Laden hoffentlich noch. Dann nehme ich den Thunfisch.

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Montag, 12. Dezember 2016
Sveg

Wenn du stundenlang durch den Wald fährst, kommt dir jede Siedlung, die mehr als eine Tankstelle hat, wie eine Großstadt vor. So in etwa geht es mir mit Sveg, das am berühmten Inlandsväg 45 durch Schweden liegt.

Sveg hat zweieinhalbtausend Einwohner, drei Tankstellen und wahrscheinlich gibt es im Umkreis von hundert Kilometern trotzdem keine Ortschaft, die größer wäre. Die Stadt liegt an einer Weggabelung – in Richtung Westen geht es ins Gebirge und nach Norwegen, in Richtung Süden kommt man zurück nach Dalarna und an den Siljansee, in Richtung Osten fährt man nach Hudiksvall an die Ostsee und in Richtung Norden geht es nach Norden.

Es gibt also gute Gründe, in Sveg anzuhalten. Die Stadt liegt wunderschön an einem Flusstal, ein paar kleine Straßen mit Holzhäusern, Restaurants, Läden und einem Hotel: wie eine Westernstadt. Deadwood könnte hier spielen oder David Lynchs Twin Peaks. Im Zentrum haben die Leute einen riesigen Bären aus Holz aufgestellt, der nicht zu übersehen ist. Am Stadtrand gibt es eine schmale Eisenbahnbrücke, auf der auch Autos fahren dürfen. Der Zug kommt nur im Sommer und auch nur zweimal am Tag.

Der beste Grund um in Sveg anzuhalten, ist aber das Volkshaus gleich neben dem ICA-Supermarkt am Ortseingang. Nicht wegen der Gaststätte darin, die ziemlich verdächtig aussieht und auch nicht wegen des Ausverkaufs für Textilien, der nun schon mehrere Jahre lang andauert. Wir halten dort immer wegen der wunderbaren Holzreliefs von Thord Vaktnäs, die etwas lieblos im Hausflur an den Wänden hängen. Die Bilder sind ergreifend. Falls ihr mal durch Sveg kommt: Macht eine Pause und seht sie euch an. Den Bären natürlich auch.

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Sonntag, 11. Dezember 2016
Umeå · Västerbotten · 2015

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Samstag, 10. Dezember 2016

Wir sind umgezogen. Mein neues Büro liegt im Hauptgebäude. Die Zimmerdecke ist vier Meter hoch. Es gibt eine denkmalgerechte Doppeltür gegen den Lärm auf dem Flur (nebenan liegen die Verhandlungssäle) und denkmalgerechte Doppelfenster, durch die es zieht und die das Zimmer notdürftig gegen den Straßenlärm abdichten. Immerhin gehen das Fenster nach Norden, so dass es im Sommer nicht mehr so heiß wird. Als Ersatz für die Sonne habe ich eine Tageslichtlampe bekommen.

Ich habe das einzige Büro auf meinem Flur. Es kommt deshalb selten jemand vorbei und oft sind es Leute, die im denkmalgerechten Gebäude die Orientierung verloren haben. Ich habe mir jetzt eine Soundbox gekauft, mit der ich Radio hören kann und die Musik, die ich mir von zuhause auf einem USB-Stick mitgebracht habe. Dann hört man die Autos nicht und ich fühle mich nicht so allein.

Ich überlege, ob ich umziehen sollte.

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Donnerstag, 8. Dezember 2016
Tiere

Nach zwei Tagen haben die Spatzen den Meisenknödel entdeckt, den ich in den Baum im Hof gehängt habe. Sie sind mit der gesamten Clique eingefallen und haben sich aufgeteilt: Die eine Hälfte bearbeitet den Knödel im Baum, die andere sitzt unten im Gras und holt sich alles, was runterfällt. Von den Kohlmeisen ist nichts zu sehen, auch das Amselpärchen hält sich zurück. Spatzen sind die Hooligans unter den Wintervögeln.

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Seitdem die Nachbarn mit dem ängstlichen Kater weggezogen sind, kommt abends die gescheckte Katze in unseren Garten, die zwei Häuser weiter wohnt. Es ist kalt draußen, es geht ein eisiger Wind. Die Katze läuft die kleine Treppe bis zur Küchentür hoch, guckt in die erleuchtete Wohnung, legt den Kopf schief, hebt die rechte Pfote und streicht mit eingezogenen Krallen ganz leicht über die Scheibe. Das geht solange, bis wir endlich aufmachen und sie sich auf das Sofa in der Küche legen kann. Es ist unmöglich, diesen Anblick länger als ein paar Minuten zu ertragen und sie weiß das. Wahrscheinlich ist das Schema inzwischen fest im Genmaterial verankert.

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Man muss sich ein Weblog als ein Notizbuch vorstellen, das nicht verlorengehen kann und das niemand findet. Seit 2698 Tagen glücklich auf Antville.
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