Klagefall
Donnerstag, 25. August 2016
Ellis Burrau: Drei Gedichte

Ist es zu früh alles zu romantisieren

als ich im Fältöversten stand
kam ein junger Mann mit Basecap zu mir
und fragte wie mir spontan
ein Produkt oder zwei gefallen würden
die er in der Hand hatte

ich sagte dass ich das Produkt
ganz okay fände
und dass ich bereit sei
40 Kronen zu zahlen
weil ich wollte dass er geht

ich wollte dass er mich
in Ruhe lässt

–––

Höflichkeit ist sexy

auf der Arbeit kam
ein Polizist rein
der sagte
ich bin Polizist
ich muss noch
ein Stockwerk höher
und in Richtung
Zentrum gucken

–––

Weil ich Galas mag liege ich natürlich auf der Couch und gucke die Kinderkrebsgala

stell dir vor es wäre dein Ding
nach Oslo zu fahren und dich tätowieren zu lassen
immer mal wieder
nur weil es ein bisschen teurer ist
sich in Oslo tätowieren zu lassen

Übersetzt nach Nyskrivet: Ellis Burrau (10TAL 23-24/2016). »Fältöversten« ist ein Einkaufszentrum in Stockholm.

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Dienstag, 23. August 2016

Fährhafen Sassnitz

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Montag, 22. August 2016
Hiddensee

Am Hafen in Stralsund empfängt uns der unfreundlichste Fährmann der Welt. Passagiere mit Fahrrädern gehen zuletzt auf das Schiff. Das Heck steht voller Pedelecs, niemand hat eine Chance gegen deutsche Rentner. Anbaden in Neuendorf, die Junisonne wärmt das flache Wasser, der Nordostwind treibt es auf das Meer hinaus. Viel Wind, auf Hiddensee ist immer zu viel Wind. In der Dünenheide grast eine Schafherde. Am Weg stehen Schilder, die vor den Kreuzottern warnen. Ein Café in Vitte, da wo das Zeltkino war. Auf der Wiese vor Kloster weiden Pferde, so als ob sie jemand in ein Bild hineingemalt hätte. Wir gehen die NVA-Plattenstraße hinauf zum Dornbusch, vom Leuchtturm aus ist Møns Klint zu sehen, gute Sicht heute. Erst nach der Bestellung entdeckt, dass es im Klausner noch immer Ostbrause gibt, das war meine Erinnerung an diesen Ort – draußen im Garten unter einem Schirm zu sitzen und Brause zu trinken. Unten in Kloster ist die Kreuzung, an der es nach rechts zum Hafen geht. Dort auf dieser Kopfsteinpflasterstraße habe ich als Kind einmal meine Eltern verloren, als wir zum Schiff liefen. Wir fahren auf der Ostseite zurück nach Neuendorf, mein Bauch kämpft mit den Bratheringen vom Mittag. Noch einmal Baden, das Wasser ist immer noch kalt. Das Schiff ist voll, die Plätze mit Jacken und Taschen besetzt, so wie Sonnenliegen am Hotelpool mit Handtüchern. The german art of taking seats. Schräg gegenüber sitzt ein Mann mit Kopfhörern. Er hat die Augen geschlossen und trommelt einen vertrackten Rhythmus auf dem Tisch mit, es sieht aus wie Jazz. Der Mann benutzt für seine Musik DAT-Kassetten, die er in einer transparenten Tupperdose mit einem blauen Deckel aufbewahrt.

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Montag, 15. August 2016
Badenachweis V

Sätoftasjön
Åsunden
Vänern
Värmeln
Klarälven
Orsasjön
Klövsjön
Venjanssjön
Kattegatt

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Samstag, 23. Juli 2016
Drei Barbiergeschichten

In Greifswalds Einkaufsstraße, die damals noch Straße der Freundschaft hieß, gab es ein Friseurgeschäft, das von einem sehr alten und außerordentlich kleinen Mann betrieben wurde. Fast meine ich mich zu erinnern, dass er zum Schneiden der Haare oben auf dem Kopf auf einen Schemel steigen musste. Der alte, kleine Mann war ein starker Raucher, nach ein paar Minuten begann die Schere in seiner Hand so stark zu zittern, dass er für ein paar Züge hinter einem Vorhang am Ende des Ladens verschwand, wo auf einem Aschenbecher eine brennende Zigarette bereitlag. Danach kehrte er, ein Pfefferminzbonbon im Mund, zurück und machte weiter. Der Friseur und sein Laden waren irgendwie übriggeblieben und deshalb gingen wir Oberschüler dort hin.

–––

Als ich noch ein Kind war, ging ich in Barth zum Friseurladen in der Ernst-Thälmann-Straße. Gegenüber der Wand mit den Spiegeln und den Stühlen stand eine lange Bank mit Bezügen aus rotem Kunstleder, auf der ich zusammen mit den anderen Kunden wartete, bis ich an der Reihe war. Dann legten die Friseusen ein blankgescheuertes Brett über die Armlehnen des Friseurstuhls, auf das ich hinaufklettern musste, und lobten meine dicken Haare.

–––

Der Kosovo-Albaner aus dem Barbershop in der Langen Straße reißt meine Nasenhaare mit Wachs aus und brennt meine Ohrmuscheln aus. Beim Kopfwaschen fragt er, ob das Wasser zu warm sei. Es ist genau richtig.

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Man muss sich ein Weblog als ein Notizbuch vorstellen, das nicht verlorengehen kann und das niemand findet. Seit 2492 Tagen glücklich auf Antville.
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